Das Rätsel um die astronomischen Butterpreise

Der Preis für ein Päckchen Butter ist im Supermarkt auf fast zwei Euro gestiegen, während die Milchpreise weitgehend stabil geblieben sind. Wie kann das sein? Ein Erklärungsversuch.

Es kommt selten vor, dass an deutschen Discounterkassen über Preise diskutiert wird. Der effizient durchorganisierte Supermarktbetrieb lässt meist wenig Worte zwischen Kunden und Kassierer zu.

Doch seit der Preis für das Päckchen Butter auf den Nachkriegsrekord von 1,99 Euro hochgeschnellt ist, ist sie zum Ladengespräch geworden. „Das versteht doch kein Mensch, warum Butter jetzt so teuer ist, Milch aber nicht“, wundert sich die Kassenfachkraft eines Lidl-Marktes in Berlin-Kreuzberg. „Butter ist doch ein Milchprodukt.“

Tatsächlich klaffen zwischen der Preisentwicklung für einen Liter Trinkmilch und das Päckchen Butter Welten. Während Vollmilch derzeit 68 Cent kostet und das seit Monaten, hat sich der Butterpreis rasant erhöht. Beinahe im Vierwochentakt wird das 250-Gramm-Päckchen teurer. Zum Vergleich: Noch vor einem Jahr kostete es weniger als einen Euro.

Der rasante Preisauftrieb schürt den Verdacht, dass bei der Butter nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Und das ausgerechnet bei einem der symbolträchtigsten Produkte im deutschen Warenkorb. Undenkbar für viele preisbewusste Verbraucher, dass das gute Butterbrot womöglich künftig mit billiger Margarine bestrichen werden muss.

Die Preise könnten weiter steigen

Björn Börgermann kann die vermeintliche Verschwörung entkräften und das Phänomen erklären, warum die Milchpreise stabil bleiben, während der Butterpreis von Hoch zu Hoch eilt. „Bei Trinkmilch und anderen Milchprodukten wie Quark oder Naturjoghurt werden Kontrakte über sechs Monate ausgehandelt, die Preise verändern sich im Halbjahresturnus. Bei der Butter laufen die Verträge nur zwischen einem und drei Monaten. Insofern werden bei der Butter die Preise häufiger angepasst“, sagt der Experte des Milchindustrieverbands.

Für den Verbraucher ist das allerdings keine Entwarnung. Vielmehr rechnet der Experte damit, dass die aktuellen Milchkontrakte zwischen Molkereien und Handelsketten zum Stichtag 1. November nach oben angepasst werden könnten. Allerdings müsse beim Milchpreis niemand eine Verdoppelung befürchten. „Wir erleben gerade eine extreme Spreizung zwischen den Preisen für Fett und jenen für Proteine.“

Da Milch aus Fetten und Eiweißen bestehe, werde der Aufschlag niedriger als bei der Butter ausfallen. Das lasse sich an den Preisen für Magermilchpulver ablesen, die weiterhin niedrig seien. Grund seien auch hohe Lagerbestände, sogenannte Interventionsmengen der Europäischen Union (EU), mit denen diese zuweilen in das Marktgeschehen eingreift.

Die Milchmenge wurde stark zurückgefahren

Das Butter-und-Milch-Rätsel basiert auf einem klassischen ökonomischen Phänomen, dem sogenannten Schweinezyklus. Gemeint ist damit ein klassisches Muster aus Angebot und Nachfrage, das zeitlich verzögert abläuft. In guten Zeiten wird mehr produziert. Es kommt zu einem Überangebot, und die Preise beginnen zu fallen.

Wenn daraufhin die Anbieter ihre Produktionsmenge zurückfahren, kommt es irgendwann zu Engpässen, die die Preise hochschnellen lassen. Auf dem Milchmarkt kollabierten die Preise im Mai vergangenen Jahres. Damals mussten die Verbraucher plötzlich weniger als 50 Cent für den Liter Trinkmilch bezahlen. Die 22,4 Cent, die am Ende bei den Milchbauern ankamen, waren für viele Anbieter ruinös. Sie produzierten weniger oder stellten den Betrieb gleich ganz ein. Das rächt sich jetzt. Die verfügbare Milchmenge ist geringer, und damit fehlt es auch am Grundstoff für die Butterproduktion.

https://www.welt.de/wirtschaft/article168343264/Das-Raetsel-um-die-astronomischen-Butterpreise.html

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